Fernstraße 5 in Wusterhausen, Berliner Straße

Dank Straßenpflaster ein reizvolles Bild

Die Stadt Wusterhausen (Dosse) profitiert von ihrer Lage an der 1830 zwischen Berlin und Hamburg eröffneten Chaussee. Seit 1932 als Fernverkehrsstraße 5 bezeichnet und von 1934 bis 1945 Reichsstraße 5 genannt, hatte zu DDR-Zeiten eine besondere Bedeutung als Transitstrecke zwischen der Bundesrepublik und West-Berlin. Die „F5“ führte als einzige Transitverbindung nicht über eine Autobahn, weshalb sogar Radfahrer sie nach West-Berlin nutzen konnten. 1982 war dies mit der schrittweisen Inbetriebnahme der Autobahn 25 von Berlin nach Hamburg, welche nun als Transitstrecke diente, vorbei.

Die heute Bundesstraße 5 führt in Wusterhausen zwischen Siedlung und Bahnlinie auf einer 1963 in Betrieb genommenen Umgehungsstraße am Ort vorbei. Bis dahin hatte sich der Verkehr durch die Altstadt quälen müssen. Im Verlauf der alten Trasse blieben interessante Straßenprofile und Pflaster aber ebenso erhalten wie an der Berliner Straße 2 der Bau einer für die Vorkriegszeit typischen Tankstelle.

Die von großen Alleebäumen gesäumte südliche Einfahrt von der neuen in die alte Chaussee besitzt ein klassisches, diagonal verlegtes Kleinsteinpflaster. Es wurde vor allem in den 1920er und 1930er Jahren für Landstraßen verwendet, weil es sich auch mit luftbereiften Fahrzeugen und bei hohem Tempo gut befahren lässt. Vorher dürfte die Straße noch eine feingewalzte Schotterpiste besessen haben, mit der die Chausseen im 19. Jahrhundert ausgestattet wurden.

Das bis zur Einführung der Beton- und Asphaltfahrbahnen beliebte Kleinpflaster mit einer quadratischen Kantenlänge von etwa 10 Zentimetern geht auf den Wegebauinspektor Friedrich Gravenhorst aus Stade zurück: Er entwickelte 1885 eine Maschine zum Schlagen dieser regelmäßig geformten Steine. Damit war es preiswerter herzustellen als das in Städten wie Wittenberge, Berlin und Hamburg stark verbreitete, in Reihen gesetzte Großsteinpflaster und setzte sich deshalb durch.

Grundsätzlich war Straßenpflaster teuer, weshalb es zunächst vor allem für stark frequentierte Stadtstraßen verwendet wurde. Über Jahrhunderte wurden dafür unregelmäßig geformte Feldsteine verwendet. Erst seit dem 19. Jahrhundert werden derartige Feldsteine oder der im Steinbruch gewonnene Rohstoff bearbeitet. Schon einmal gespaltene Steine bedeuteten einen Fortschritt. Denn die Fahrbahn wurde ebener, wenn ihre glatte und trotzdem griffige Seite nach oben zeigt.

Aber diese sonst unregelmäßig geformten Steine fanden keinen Halt an den Nachbarsteinen, weshalb sie der Verkehr unterschiedlich stark wegdrückte. Dagegen bildeten mehrfach gespaltene und damit aufwendiger hergestellte Steine nebeneinander schon einen recht guten Fugenschluss. Fortan klassifizierten Vorschriften Pflastersteine in Größen, in Rauigkeit und regelmäßigen Formen. Querförmige Steine stehen seitdem für höchste Qualität. Die mittelgroßen oder auch kleinen Steine werden nicht nur in Reihe gesetzt, sondern auch als Diagonal- oder Bogen- sowie als Passepflaster: Bei diesem für Norddeutschland typischen Wildpflaster ändert sich die Richtung der Fugen.

Die Berliner Straße in Wusterhausen bietet in ihrem Verlauf ein interessantes Wechselspiel von Pflastersteinen und -arten. Für die Fahrbahn in der Siedlung wurde Kleinpflaster in verschiedenen Qualitäten verwendet, für den stark benutzten Gehweg sogar kleinste Steine. Rechts und links vom Gehweg schließlich wurde mit Findlingen und polygonal gebrochenen Steinen auf Qualität weniger wert gelegt. In Verbindung mit den Straßenbäumen ergibt sich ein reizvolles Straßenbild, welches lediglich durch Asphaltflicken gestört wird.

Text: Sven Bardua