Kühlhaus in Kyritz, Holzhausener Straße 67

Riesiges Lager für Lebensmittel

Zum Lagern von Lebensmitteln betrieb das Kombinat Kühl- und Lagerwirtschaft in der DDR 40 zentral geleitete Kühlhäuser mit einem Kühlvolumen von knapp 1,6 Millionen Kubikmetern. Zum Vergleich: In Westdeutschland gehörten 1990 zur Markt- und Kühlhallen AG 24 Kühlhäuser mit einem Kühlvolumen von 1,95 Millionen Kubikmetern. Als wichtiger Standort der Agrarwirtschaft bekam auch Kyritz 1966 in der Holzhausener Straße ein modernes Kühlhaus mit Bahnanschluss.

Der nördliche Teil des heutigen Kühlhaus-Standortes diente zuvor einer Windmühle mit Landwirtschaft. 1860 erstmals erwähnt, brannte die Holländermühle mehrfach ab und wurde wiederaufgebaut, später als Motormühle genutzt. Vermahlen hat die Müllerfamilie Buch traditionell kein Getreide, sondern die für Zichorienkaffee verwendeten getrockneten Wurzeln der Gemeinen Wegwarte. Außerdem gab es auf dem Grundstück eine Korkenfabrik. In den 1950er Jahren führte Herr Meinschein, ein Enkel des einstigen Müllers Buch, den Betrieb. Für den Kühlhausbau wurde das Mühlengehöft spätestens 1965 abgerissen.

Nun entstand in der Holzhausener Straße 1965/66 nach den Plänen des Entwurfskollektivs Wolfgang König ein Flachkühlhaus mit einer 20.000 Quadratmeter großen Halle in Skelettbauweise. Es gehörte zu dem Kühlhaus-Typ Treuen mit mehr als 12.000 Quadratmeter Kühlgrundfläche und einem gekühlten Volumen von etwa 68.000 Kubikmetern. Die seit den 1960er Jahren in der DDR gebauten Flachkühlhaus-Typen Treuen und Rostock mit insgesamt 13 Exemplaren galten auch im internationalen Maßstab als fortschrittlich. Ansonsten gab es im Land 24 Etagenkühlhäuser aus den 1920er und 1950er Jahren und drei Flachkühlhäuser aus den 1950er Jahren.

Mit Kältetechnik ausgerüstet wurde das Kühlhaus Kyritz von dem VEB Maschinenfabrik Halle. Das 1886 als Hallesche Maschinenfabrik und Eisengießerei AG gegründete Unternehmen hatte sich von Beginn an auf die Kältetechnik spezialisiert und lieferte seine Maschinen und Geräte zu DDR Zeiten nicht nur in sozialistische Länder, sondern auch nach Hamburg, Bremerhaven und Belgien sowie für zahlreiche Fischerei-Schiffe und Kunsteisbahnen. Für die Kühlhäuser in der DDR sind 17 größere Havarien dokumentiert, die seit 1970 auftraten. So gab es 1977 auch in Kyritz einen Zwischenfall, bei dem die Ware verdorben wurde, weil nach einer fehlerhaften Reparatur Luft in den Kältemittel-Kreislauf geraten war. Dies führte zu einem Verdichterausfall und einem Austritt des Kältemittels Ammoniak.

Text: Sven Bardua